An der Hand

Wir alle haben es in die Wiege gelegt bekommen, dass es eine Tugend ist, anderen zu helfen. Nicht nur unsere Eltern haben uns dies beigebracht, sondern wir wissen dies aus zahlreichen Beispielen von Jesus selbst. Die Gleichnisse vom barmherzigen Samariter oder dem verlorenen Schaf beispielsweise kennen wir doch nur zu gut. Hilfe, aus der Liebe heraus.

Natürlich lassen wir niemanden links liegen, der gerade gefallen ist. Wir helfen ihm auf, bieten ihm unsere Hand, so dass er weitergehen kann. Nun gibt es aber die, die es mit ihrer Hilfe schlichtweg übertreiben. Niemand kann alleine „die Welt retten“. Das würde nämlich irgendwie beinhalten, dass man die Verantwortung für das Leben des anderen übernehmen würde. Wir müssen uns hier aber zunächst einmal vor Augen halten, dass die Lebensumstände eines jeden kein zufälliges Produkt eines Würfelspiels sind, sondern „hausgemacht“. Wir waren in unserer Existenzgeschichte immer selbst dafür verantwortlich. Auch die Fortschreibung wird das Ergebnis unserer jetzigen Entscheidungen und Handlungen sein.

Hilfe sollte immer von Herzen kommen und dem Hilfesuchenden zum eigenständigen Weiterkommen dienen. Wer Hilfe aber instrumentalisiert und den moralischen Zeigefinger öffentlichkeitswirksam kreisen lässt, handelt aus anderen Beweggründen, aber bestimmt nicht um der Hilfe selbst willen, bestimmt nicht aus Liebe. Und wer meint, es mit sogenannter „Hilfe“ zu übertreiben, hilft am Ende eigentlich niemandem. Ich hörte diese Woche dazu einen interessanten Podcast im Radio. Dort wurde unter anderem gesagt:

Gott geht nicht für uns – aber er geht MIT uns!

Ich verstehe dies so: jederzeit können wir uns an seiner Hand sicher bewegen, aber gehen müssen wir schon selbst. Auch wenn wir den Weg selbst noch nicht genau kennen – ER weiß ihn ganz genau. Vertrauen wir darauf, dass wir auf viele Fragen zu gegebener Zeit eine Antwort bekommen und dass wir unseren Weg – auch, wenn wir mal hinfallen – mit SEINER Hilfe und an SEINER Hand schaffen werden!

Taizé-Gesang: „Aber Du weißt den Weg für mich“

Text: Dietrich Bonhoeffer, aus dem Gebet „Gott, zu Dir rufe ich“ – geschrieben in Nazi-Gefangenschaft

Sabine Patatzki

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