Point of no return

Manchmal möchte man am liebsten auf „STOP“ drücken und die Welt anhalten. Uns allein wird das aber wohl kaum gelingen. Wie das Drehkarussell auf dem Spielplatz, das sich viel zu schnell dreht und durch die Fliehkräfte nur schwer wieder zu bändigen ist. Wie eine Lawine, die mit jeder weiteren Flocke immer mächtiger wird und sich drohend Richtung Tal bewegt. Aber tja, was soll man da schon machen?

Eines der nicht ganz so präsenten Märchen der Gebrüder Grimm ist die Geschichte vom „Fischer und seiner Frau“, hier noch einmal nachzulesen. Die „Wünsche“ der Frau werden von Mal zu Mal anmaßender, ja maßloser. Dabei verändert sich parallel das klare Gewässer in einen dumpfen, sumpfigen Morast. Ein Lebensraum, der nicht mehr lebenswert ist, ja, der am Ende sogar jegliches Leben zerstört. Der Fischer, der von seiner Frau aber permanent vorgeschickt wird, hat eigentlich von Anbeginn ein schlechtes Gefühl dabei. Aber tja, was soll er da schon machen?

Der Begriff „Wende“ hat in der deutschen Geschichte zweifellos eine ganz besondere Bedeutung. Wann aber ist überhaupt noch eine Wende möglich?

Auf der einen Seite die, die unbedingt ihre „Wünsche“ durchsetzen wollen. Und auf der anderen Seite die, auf deren Rücken das Ganze ausgetragen wird, die aber eigentlich nur Mittel zum Zweck sind. Also frage ich mich, bis wann ist es eigentlich möglich, solche Machenschaften zu stoppen? Und ab wann geht es nicht mehr? Aber tja, was sollen wir da schon machen?

Auf einem Spielplatz gibt es meist auch eine Wippe. Wenn keine Ausgeglichenheit herrscht, dann ist diese aber nicht zu benutzen. Ist eine Seite viel schwerer als die andere, gibt es keine Harmonie. Und sobald einer ganz aufsteht und geht, dann ist es gleich komplett vorbei. Jeder kann entscheiden, wann er bei dem Spiel nicht mehr mitmachen möchte. Genauso wie mit dem Karussell: Am Anfang ist es herrlich, sich zu drehen – aber so mancher übertreibt es vielleicht, und nicht jeder fühlt sich mehr wohl, wenn es allzu schnell geht. Es kommt aber der Punkt, an dem es nicht mehr möglich sein wird, auszusteigen, dann ist der point of no return erreicht, zurück kann man nicht mehr. Dann sind wir Teil der Lawine, die uns einverleibt hat. Dann ist es zu spät.

Und wenn sie nicht gestorben sind … Nicht immer endet Geschichte wie im Märchen. Ist das Ende gar eine Sackgasse, aus der wir nicht mehr hinauskommen? Dann ist das wohl aber nur UNSER Ende, nicht das der anderen. Wir ganz allein – tja, was sollen wir da schon machen? Wenn wir uns aber einig sind, dann vielleicht schon.

Musikbeitrag von Fleetwood Mac – „Go Your Own Way“

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Sabine Patatzki

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