Verzicht

Morgen beginnt die Fastenzeit, und wir können uns in den kommenden 40 Tagen in besonderer Weise auf Ostern vorbereiten. Die nächsten Wochen bringen uns trotz weltlicher Entbehrungen Hoffnung, denn mit der Auferstehung des Herrn werden wir sehen, dass der Tod nicht das Ende ist.

Nach einem Jahr „Maskerade“ ist der Ausnahmezustand mittlerweile zur Normalität geworden. Schon lange können wir nicht mehr erkennen, ob hinter der Maske jemand mit gespaltener Zunge zu uns spricht oder es gut mit uns meint. Angst und Misstrauen sind längst in der Gesellschaft angekommen. Unsere Intuition aber sagt uns, was sich richtig oder falsch anfühlt.

Für mich gehört daher in die Fastenzeit auch der Verzicht auf zuviel „Lärm“. Denn wenn wir nicht zur inneren Ruhe kommen, lassen wir alles ungefiltert auf uns einprasseln – und verlieren uns dabei selbst. Sollte es nicht normal sein, dass wir uns selbst eine Meinung bilden können, anstatt uns ständig einreden zu lassen, was das angeblich Beste für uns ist? Auch im Hinblick auf die geistige Nahrung, die wir uns täglich zufüttern, lohnt es sich somit wirklich, diese einmal zu überdenken.

Fastenzeit bedeutet auch Buße. Wir wissen selbst nur zu genau, wo wir Fehler gemacht haben, gesündigt haben. Wollen wir diese ignorieren, beschönigen oder verheimlichen? Oder aber gestehen wir sie uns ein, überwinden uns und bitten IHN um Verzeihung – und machen so einen großen Schritt auf Gott zu? Wir sind nun mal nicht unfehlbar und müssen uns immer wieder vor Augen halten, wo wir uns bessern sollen.

Wie können wir uns Gott nähern?

Nehmen wir zum Beispiel die Heilige Teresa von Ávila. Für sie war Gott nicht eine ferne, hohe Macht, sondern der Mensch Jesus, zu dem sie eine innige Freundschaft pflegen konnte. Beten ist nicht nur Gebet mit Worten, sondern als inneres Gebet das Verweilen bei einem Freund, der uns liebt. Gott ist unser Vater im Himmel, aber dennoch mitten unter uns. Er reicht uns die Hand und möchte unser Freund sein. Er kommt uns sogar entgegen, wenn wir Gefahr laufen, vom Weg abzukommen. Wir können ihm so nahe kommen, wie wir selbst es zulassen, indem wir eben auch bereit sind, uns in seine Hände zu begeben. SEIN Wille geschehe!

In diesem Sinn wünsche ich allen Lesern einen guten Start in die Fastenzeit, mit einem klaren NEIN zu allem, was unnötig oder sogar schädlich ist, und einem bewussten JA zu unserer Freundschaft mit Gott.

Nada te turbe (ein Lied von der Heiligen Teresa von Ávila):

„Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich: Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich: Gott allein genügt.“

Beitragsbild: kalhh auf Pixabay

Sabine Patatzki

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