Wie kehrt man eine Straße?

Jede noch so große Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Jedes noch so tiefgründige Gespräch mit einem ersten Wort. Jedes Buch, das man in die Hand nimmt, mit einer ersten Seite. Man kann nicht direkt von Null auf Hundert sein. Aber jede noch so kleine Etappe, die man geschafft hat, bringt einen weiter, nicht nur räumlich, sondern vor allem geistig.

Manchmal möchte man am liebsten schnellstmöglich seine Ziele erreichen, den bequemsten Weg gehen, der einem ohne große Hindernisse seine Wünsche erfüllt. Die Realität jedoch konfrontiert uns oft mit unliebsamen Gegebenheiten. Weil es eben dazu gehört, sich auf dem Weg zum Ziel zu entwickeln. Zudem heißt es nicht umsonst „Dein Wille geschehe“wir selbst können gar nichts erzwingen. Vielmehr wird das, was unter Zwang zustande gekommen ist, uns früher oder später auf übelste Weise wieder vor die Füße fallen.

Unsere Lebensumstände sind kein Zufallsprodukt, sondern die gerechte Fortführung unserer bisherigen Existenzgeschichte. Wir alle haben so unsere tagtäglichen Verpflichtungen und Aufgaben zu schultern – für uns selbst, für andere. Wer diese nur als Belastung empfindet, dem werden sie doppelt schwer vorkommen. Wer aber seine eigenen Wunschvorstellungen loslassen kann und auf die göttliche Führung vertraut – seine Aufgabe annimmt – wird sie leichter ertragen können.

Der Straßenfegermeister Beppo aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende erklärt seine ganz eigene Methode, mit einer schier unmöglich zu bewältigenden Aufgabe zurechtzukommen. 

Das Ziel zwar fest im Blick, aber jeden einzelnen Schritt dorthin als wichtigen Teil des Weges zu begreifen. Nur so können einem die „grauen Agenten der Zeitsparkasse“, die uns Zigarre paffend unserer Zeit berauben, nichts anhaben. 1974 wurde das Buch mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Ich aber finde, dass gerade wir Erwachsenen sehr viel von der kleinen Momo und ihrer kindlichen Betrachtungsweise lernen können.

Wann unsere Zeit hier auf Erden abgelaufen ist, das liegt nicht in unserer Hand. WIE wir unsere Zeit aber nutzen, dies entscheiden wir ganz allein. Und so können wir uns stets fragen, wo wir denn selbst stehen auf der Straße unseres Lebens, mit der Aufgabe, die uns gestellt ist. Besenstrich für Besenstrich…

Beitragsbild: Manfred Richter auf Pixabay

Sabine Patatzki

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